- Darmstadt, 3. Mai 2010 - Die Mathildenhöhe in Darmstadt ist Brennpunkt des Jugendstils und der Gesamtkunstwerkbewegung in Deutschland. Am Montag, 3. Mai 2010, erläuterte Ralf Beil, Direktor des Instituts Mathildenhöhe, wie er diesen herausragenden Schauplatz der Moderne in der Kulturlandschaft verortet und erlebbar macht. Sponsoring statt Steurgelder Beispielhaft illustrierte er die vielfältigen Aufgaben des Kulturmarketings zwischen regionaler Verwurzelung der Mathildenhöhe und internationalem Anspruch. Sponsoring und Medienarbeit, Ausstellungen, Events oder Kooperationen: Von Oktober 2008 bis Februar 2009 begleiteten Russische Badenächte im Jugendstilbad die international beachtete Ausstellung über das Zarenreich ebenso wie die Petersburger Dialoge namhafter Politiker oder großflächige Werbung auf den Darmstädter Straßenbahnen. Auch, weil der Kulturhaushalt zuletzt um 20 Prozent gekürzt wurde, musste Beil neue Wege bei der Finanzierung einschlagen. Dafür gewann er namhafte Unternehmen aus der Region wie die HEAG Südhessische Energie AG oder den Farbenhersteller Caparol, der die Ausstellungsräume gestaltete.
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Mathildenhöhe als Wirtschaftsfaktor Mit einer einfachen Rechnung verdeutlichte Beil auch den Erfolg der vernetzten Marketing-Maßnahmen: 200.000 Euro seien 2009 in die Russland-Ausstellung geflossen. Bei insgesamt 65.000 Besuchern enstpreche das einem Pro-Kopf-Aufwand von nur 3 Euro, rechnetet er vor. Eine vergleichbare Exposition in Düsseldorf war mit einer Gesamtinvestition von einer Million Euro, aber nur 25.000 Besuchern, deutlich unrentabler. Angesichts der Zahlen wies Beil auf den Return on Investment und damit die Bedeutung der Mathildenhöhe als Wirtschaftsfaktor für die Region hin. Eindringlich appellierte er deshalb an die Stadt, von weiteren Etatkürzungen abzusehen. Olbrich-Ausstellung mit guter Resonanz Anschließend führte Beil die Teilnehmer durch die Ausstellung „Joseph Maria Olbrich 1867-1908 – Architekt und Gestalter der frühen Moderne“. Olbrichs letzte Arbeiten, insbesondere das berühmte Ensemble von Ausstellungsgebäude und Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe (1908), spannen markant den Bogen zum architektonischen Expressionismus. Versiert und eloquent beantwortete der Institutsleiter die Fragen des interessierten Publikums. Insgesamt seien die Menschen in der Rhein-Main-Region kunstbegeisterter als anderswo, konstatierte er. Das zeigten auch die guten Besucherzahlen und die Tatsache, dass bis heute mehr als 60 Medien in Zeitung, Internet, Radio und Fernsehen über die Ausstellung berichtet hätten. Sympathiewerte statt Prestigewerte Natürlich werde die Mathildenhöhe auch international als Kulturhaus wahrgenommen, sagte Beil. Dazu trügen bedeutende Kooperationen wie mit dem Musée d’Orsay in Paris bei, die Darmstadt sogar einen Besuch des französischen Botschafters bescherten. In erster Linie brauche der Standort aber Sympathiewerte, nicht Prestigewerte, resümierte Beil, der „Menschen begeistern und Kultur erlebbar machen“ möchte. Geschickt inszeniert er dazu die „Macht des Ortes“, wie er es nennt. Wer sich von ihr gefangen nehmen lassen möchte, hat beispielsweise jeden Samstag dazu Gelegenheit: Ab 16 Uhr spielen dann regelmäßig Schüler der Akademie für Tonkunst auf dem ausgestellten Flügel von Joseph Maria Olbrich. |