Referent: Rolf-Herbert Peters, Buch-Autor Die Puma-Story und Journalist, Stern, Gruner + Jahr, Hamburg Ort: Hessisches Staatsarchiv, Vortragssaal, Karolinenplatz 3, 64289 Darmstadt Wer Wirtschaftsexperten nach der aufregendsten Unternehmensstory der Nachkriegszeit fragt, erhält oft als Antwort: Puma. Der fränkische Sportschuhproduzent hat in den vergangenen zehn Jahren einen atemberaubenden Aufstieg von einem Loser-Label zur gefragten Lifestyle-Marke hingelegt.
Rolf-Herbert Peters, Stern-Journalist und Buchautor bei Gruner + Jahr, berichtete Anfang März auf Einladung des Marketing-Clubs Südhessen im Hessischen Staatsarchiv über die Puma-Geschichte, die mit dem legendären Streit der Brüder Adolf (Adi) und Rudolf Dassler begann. Er ist dabei der scheuen Katze so nahegekommen wie kein anderer Journalist zuvor. In der Lesung aus seinem Buch Die Puma-Story fesselte er mit Hintergrundberichten zum Raubtierkapitalismus.
Die Story beginnt mit der amouröse Affäre zwischen Rudolf und der Frau seines Bruders. Die Liebelei führte zum erbitterten lebenslangen Bruderzwist und zur Gründung der zwei berühmten Sportschuhfabriken: Adolf Dassler gründete Adidas, sein Bruder Rudolf Puma benannt nach seinem Spitznamen. Bis Anfang der Neunziger Jahre verlor die Raubkatze ihren Glanz und verkam zur Ramschmarke.
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Der Mann, der Puma aus dem Grabbeltisch befreite, heißt Jochen Zeitz. 1993 wurde er mit gerade 29 Jahren zum Chef der damals maroden Firma berufen. Zeitz setzte auf Underdogs und Nonkonformismus und gewann damit die Trendsetter. Hollywood und Prêt-à-porter verhalfen der Raubkatze den Sprung in den kapitalen amerikanischen Markt: Schauspielerin Meg Ryan trug Puma im Film und gemeinsam mit Jil Sander entstand eine eigene Modelinie. Frech und unangepasst kam Puma mit Tennis-Spielerin Serena Williams daher. Im farbenfrohen Puma-Outfit verwandelte sie den Court zum Laufsteg.
Der Erfolg gibt Zeitz Strategie Recht. Bis heute ist der Börsenwert des drittgrößten Sportartikelkonzerns um mehr als 4.000 Prozent nach oben geklettert. Puma zählt zu den begehrtesten Marken der Welt. Sneakers, Handtaschen oder Laibchen liegen gleichauf mit Produkten von Gucci, Prada oder Dolce & Gabbana.
Rolf-Herbert Peters (Jahrgang 1961) ist seit über fünf Jahren Autor des Stern im Ressort Politik & Wirtschaft. Nach dem Studium der Geschichte und Philosophie begann er seine Karriere als Cheflektor beim Münchener Verlag Markt & Technik, wo er unter anderem Wirtschaftsbücher betreute und die Marke Börse Online mitgründete. Nach freier Mitarbeit bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, dem WDR und SWR übernahm er das Medienressort bei der Wirtschaftswoche. Anschließend leitete er als stellvertretender Chefredakteur das Wirtschaftsmagazin BIZZ Capital, bevor er zum Stern ging. |